Ärzte in Österreich: Ein kompletter Leitfaden für Patienten









Österreich verfügt über eines der am besten organisierten Gesundheitssysteme in Europa. Für jemanden, der gerade erst eingezogen ist oder sich mit der deutschen Sprache noch nicht ganz sicher fühlt, kann das gesamte System aus Ärzten, Kassen, Wahlärzten, Karten und Rückerstattungen jedoch wie ein Labyrinth wirken.
In diesem Text versuchen wir zu erklären, wie viele Ärzte es in Österreich überhaupt gibt, welche Arten von Ärzten existieren (mit und ohne Kassenvertrag), welches die wichtigsten Krankenkassen sind, was Begriffe wie Kassenarzt, Wahlarzt und Privatarzt bedeuten, ob man das Recht auf freie Arztwahl hat und wie Kosten, Rückerstattungen sowie digitale Systeme wie ELGA und eImpfpass funktionieren.
Hinweis: Der Text stützt sich auf offizielle österreichische Quellen wie das Gesundheitsportal gesundheit.gv.at, die offiziellen Seiten der Sozialversicherung, die Ärztekammer und weitere Partner.
Laut der jüngsten offiziellen Ärztestatistik, die von der Österreichischen Ärztekammer veröffentlicht wurde, gab es am Stichtag 31.12.2023 in Österreich genau 50.631 Ärzte.
Diese Zahl umfasst:
Im Vergleich zum Jahr 2022 ist die Zahl der Ärzte um rund 2,2 Prozent gestiegen, doch in offiziellen Mitteilungen wird betont, dass trotz dieses Zuwachses ein massiver Bedarf an der Besetzung von Stellen im öffentlichen Gesundheitswesen besteht, insbesondere in der Allgemeinmedizin und in bestimmten Fachbereichen. Quelle: ots.at
Was sollte man sich als Patient daraus merken?
Der Hausarzt, auch als praktischer Arzt oder Allgemeinmediziner bezeichnet, ist in der Regel die erste Anlaufstelle für:
Im Gegensatz zu einigen anderen Ländern ist es in Österreich nicht immer zwingend erforderlich, zuerst den Hausarzt aufzusuchen, bevor man zu einem Facharzt geht. In der Praxis ist dies jedoch oft der klügste Weg, da es die Kontinuität der Behandlung sichert, für eine bessere Dokumentation sorgt und die Zusammenarbeit mit der Kasse erleichtert.
Fachärzte decken alle klassischen medizinischen Bereiche ab, darunter Innere Medizin, Kardiologie, Neurologie, Gynäkologie, Orthopädie oder Pädiatrie.
Man kann:
Ein Kassenarzt, auch Vertragsarzt genannt, hat einen Vertrag mit der jeweiligen Krankenkasse wie der ÖGK, SVS oder BVAEB. Die Behandlung erfolgt über die E Card, sodass man für die Untersuchung vor Ort nichts bezahlt, abgesehen von eventuellen geringen Zuzahlungen für spezielle Leistungen.
Ein Wahlarzt hat keinen Vertrag mit den Krankenkassen und arbeitet privat. Das bedeutet, dass der Patient die Rechnung zunächst vollständig selbst bezahlt, diese aber im Anschluss bei seiner Kasse einreichen kann, um einen Teil der Kosten zurückzuerhalten. Als Faustregel gilt, dass rund 80 Prozent des Betrages rückerstattet werden, den die Kasse einem Vertragsarzt für dieselbe Leistung bezahlt hätte.
Ein Privatarzt steht in keinerlei Beziehung zu den gesetzlichen Krankenkassen. Das bedeutet, dass der Patient alle Kosten selbst trägt und die Kasse im Normalfall keine Rückerstattung leistet, außer in sehr seltenen Ausnahmefällen. Diese Variante wird häufig mit einer privaten Zusatzversicherung kombiniert, die einen großen Teil der Kosten übernehmen kann.
Das österreichische Sozialversicherungssystem wurde im Zuge einer großen Reform grundlegend umstrukturiert ("Aus 21 werden 5"), sodass heute nur noch wenige große Versicherungsträger existieren.
Für die Krankenversicherung sind folgende Träger von Bedeutung:
Die Österreichische Gesundheitskasse, kurz ÖGK, ist die größte Kasse. Sie versichert die Mehrheit der Angestellten und Arbeiter sowie deren Familien und entstand durch die Fusion der ehemals neun Gebietskrankenkassen.
Die SVS, die Sozialversicherungsanstalt der Selbständigen, ist die Kasse für Selbstständige, Unternehmer, Freiberufler und Landwirte. Im System der SVS gibt es bei ambulanten Leistungen einen gewissen Selbstbehalt, dafür bietet sie jedoch auch spezielle Zusatzprogramme und Vorteile.
Die BVAEB ist die Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau. Sie versichert viele Staatsbedienstete sowie Angestellte der Bahn und verfügt ebenfalls über spezifische Deckungsregeln und eigene Zuzahlungen.
Die KFA, die Krankenfürsorgeanstalten , sind Sondereinrichtungen für die Bediensteten bestimmter Städte und Bundesländer, wie zum Beispiel für die Angestellten der Stadt Wien. Sie gehören nicht zum Hauptverband, funktionieren für den Patienten im Alltag jedoch praktisch wie eine normale Krankenkasse.
Eine private Krankenversicherung, auch Zusatzversicherung genannt , ist keine Pflicht, sondern eine freiwillige Ergänzung bei privaten Versicherungsunternehmen wie der Wiener Städtischen, Uniqa oder Generali.
Sie bietet meist eine schnellere Verfügbarkeit von Arztterminen, insbesondere bei Wahlärzten, eine komfortable Unterbringung der Sonderklasse im Krankenhaus sowie Zusatzleistungen für Physiotherapie, Psychotherapie, Alternativmedizin oder eine bessere Abdeckung von Medikamenten.
Ja, in Österreich gilt das Recht auf freie Arztwahl. Das offizielle staatliche Gesundheitsportal gesundheit.gv.at hält dazu fest:
„In Österreich gilt die freie Arztwahl: Jede versicherte Person und ihre mitversicherten Familienangehörigen können eine Ärztin oder einen Arzt nach eigenem Ermessen wählen.“ Quelle: Gesundheitsportal
In der Praxis bedeutet dies, dass man frei wählen kann zwischen:
Hier kommen wir zum praktischen Teil des Systems, nämlich der Frage, kako lange man auf einen Termin warten muss.
In der Praxis sieht es so aus:
Manche Ordinationen arbeiten streng nach dem Prinzip nur nach Termin, während andere als offene Ordination geführt werden, bei denen man ohne Termin erscheinen kann, dann jedoch mitunter mit sehr langen Wartezeiten im Wartezimmer rechnen muss.
Immer häufiger wird auch eine Onlineterminvereinbarung angeboten, insbesondere in den Praxen von Wahlärzten.
Bei deinem Hausarzt werden die Untersuchung und die üblichen medizinischen Leistungen von der Kasse übernommen. Du steckst deine E Card und bezahlst vor Ort nichts, es sei denn, der Arzt bietet spezielle Komfortleistungen an, die nicht im Leistungskatalog der Kasse enthalten sind. Auch Laboruntersuchungen oder Röntgenaufnahmen fallen in dieses System, wobei manchmal eine Bewilligung der Kasse oder eine Überweisung nötig ist, aber auch dann zahlt die Kasse.
Wenn du einen Wahlarzt aufsuchst, erhältst du vom Arzt eine Honorarnote und bezahlst diese selbst. Danach reichst du diese Rechnung elektronisch oder per Post bei deiner Kasse ein, und die Kasse erstattet dir bis zu 80 Prozent des Betrages zurück, den sie einem Vertragsarzt für dieselbe Leistung bezahlt hätte.
Das bedeutet als Rechenbeispiel:
Deshalb ist es wichtig, dass Patienten hier realistische Erwartungen haben. Eine Rückerstattung existiert, aber sie deckt in den meisten Fällen nicht den Großteil der privaten Honorarnote.
Wenn du eine private Zusatzversicherung hast, kann diese den verbleibenden Restbetrag je nach gewähltem Versicherungspaket teilweise oder sogar vollständig übernehmen.
Das österreichische Gesundheitssystem wurde in den letzten Jahren stark digitalisiert. Wir nennen hier die wichtigsten Onlinefunktionen, die viele Menschen aus der Ex Yu Region oft noch neizblasiert nutzen.
Die E Card ist deine elektronische Krankenversicherungskarte, über die der Arzt den Versicherungsstatus prüft. Zudem wird auf ihr das elektronische Rezept, das E Rezept, gespeichert, sodass du in der Apotheke nur noch die Karte vorzeigen musst, um deine Medikamente zu erhalten.
ELGA (Elektronische Gesundheitsakte) ist ein nationales System, in dem deine Entlassungsberichte aus dem Krankenhaus, deine Medikationsliste, die Daten aus dem eImpfpass und weitere Gesundheitsdaten sicher gespeichert werden.
Über das ELGA Portal, der Zugang erfolgt über gesundheit.gv.at mittels der ID Austria, kannst du deine Befunde und Rezepte einsehen, kontrollieren, wer Zugriff auf deine Daten hatte, und bei Bedarf auch bestimmte Daten ausblenden oder den Zugriff einschränken.
Der eImpfpass ist der digitale Ersatz für den alten gelben Impfpass aus Papier. Über ihn werden alle erhaltenen Impfungen in einem zentralen Register erfasst und können ebenfalls über das ELGA Portal eingesehen werden.
Wenn du in Österreich lebst, ist es hilfreich, ein paar praktische Schritte zu beachten:
Auf den ersten Blick mag vieles kompliziert wirken, aber mit ein wenig Information wird schnell klar, wie das System funktioniert und wie man die Ärzte und Leistungen auswählt, die man tatsächlich benötigt.
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