Ein Aufenthalt in Österreich – ob touristisch oder im Rahmen eines Familienbesuchs – verläuft in der Regel problemlos. Dennoch können Krankheit oder Verletzung jeden treffen. Deshalb ist es wichtig zu wissen, welche Rechte Touristen aus Ex-Jugoslawien haben, wenn sie in Österreich medizinische Hilfe benötigen, wer die Kosten übernimmt und was man vor der Reise unbedingt beachten sollte.

Notfallmedizin – ein Recht für alle

In Österreich hat jede Person Anspruch auf medizinische Notfallversorgung, unabhängig von Staatsangehörigkeit oder Krankenversicherung. Das bedeutet, dass Ärzte und Krankenhäuser Hilfe nicht verweigern dürfen, zum Beispiel bei:

  • Verkehrsunfällen
  • plötzlichen Erkrankungen
  • schweren Verletzungen
  • Bewusstlosigkeit oder starken Schmerzen

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📞 Wichtige Notrufnummern in Österreich:

  • 112 - europaweite Notrufnummer
  • 144 - Rettungsdienst / medizinischer Notfall
  • 141 - Ärztenotdienst außerhalb der Ordinationszeiten

Wichtig zu wissen: Der Transport mit dem Rettungswagen kann kostenpflichtig sein, insbesondere wenn keine akute Lebensgefahr besteht.

Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC)

Wenn Sie aus einem Land kommen, das die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) ausstellt, haben Sie in Österreich Anspruch auf medizinisch notwendige Behandlungen unter denselben Bedingungen wie österreichische Versicherte.

Das bedeutet in der Praxis:

  • Notfalluntersuchungen und Behandlungen sind in der Regel abgedeckt
  • es fallen nur die üblichen Selbstbehalte an (falls vorgesehen)
  • die Behandlung muss medizinisch notwendig und nicht aufschiebbar sein

⚠️ Die EHIC deckt keine privaten Ärzte oder Kliniken, keine geplanten Behandlungen und keine Kosten für den Rücktransport ins Heimatland ab.

Was passiert, wenn man keine EHIC hat?

Viele Touristen aus ExYu – insbesondere aus Ländern außerhalb der EU – haben keinen Anspruch auf eine EHIC. In diesem Fall gilt:

  • medizinische Hilfe wird geleistet,
  • die Behandlungskosten müssen jedoch selbst bezahlt werden,
  • die Rechnung wird meist sofort fällig oder später per Post zugestellt,

Die medizinischen Kosten in Österreich können hoch sein, vor allem bei:

  • Krankenhausaufenthalten
  • Diagnostik (CT, MRT, Laboruntersuchungen)
  • fachärztlichen Untersuchungen

Daher wird von einer Reise ohne Reiseversicherung dringend abgeraten.

Ärzte, Krankenhäuser und Privatordinationen

  • Öffentliche Krankenhäuser behandeln alle Patienten, stellen jedoch Kosten in Rechnung, wenn keine Versicherung besteht
  • Private Ärzte und Kliniken müssen immer selbst bezahlt werden
  • Medikamente werden in Apotheken meist nur auf Rezept abgegeben und sind ohne Versicherung vollständig zu bezahlen

Reise-Krankenversicherung – der beste Schutz

Für Touristen aus Ex-Jugoslawien ist eine Reise-Krankenversicherung die wichtigste Absicherung vor der Einreise nach Österreich.

Eine gute Versicherung deckt in der Regel:

  • ärztliche Behandlungen und Krankenhauskosten
  • Medikamente
  • medizinischen Notfalltransport
  • Rücktransport ins Heimatland, wenn medizinisch notwendig

Die Kosten für eine solche Versicherung sind gering im Vergleich zu möglichen Behandlungskosten, die mehrere tausend Euro betragen können. Beispiel: Für einen Aufenthalt von 7 Tagen kostet eine grundlegende medizinische Absicherung rund 12 Euro.

Praxisbeispiel: Tourist aus Serbien mit Armbruch in Österreich

Stellen wir uns folgende Situation vor:

Marko (45) reist aus Serbien für 7 Tage nach Wien, um Freunde zu besuchen. Beim Spaziergang rutscht er aus, stürzt und bricht sich den Arm (Unterarmfraktur). Die Schmerzen sind stark, der Arm schwillt an – medizinische Hilfe ist notwendig.

Was passiert weiter? Zwei Szenarien:

SZENARIO 1: Marko HAT eine Reise-Krankenversicherung

  1. Er ruft 144 oder 112
  2. Der Rettungsdienst bringt ihn in ein öffentliches Krankenhaus
  3. Im Krankenhaus:
    • Röntgenuntersuchung
    • Diagnose: Knochenbruch
    • Einrichten des Bruchs und Gipsverband
    • Schmerzmittel und ärztliche Anweisungen
  4. Marko legt seine Versicherungspolice vor
  5. Das Krankenhaus klärt die Kosten direkt mit der Versicherung oder Marko reicht die Unterlagen später ein

💶 Kosten (ungefähr):

  • Rettungsdienst
  • Röntgen
  • ärztliche Untersuchung
  • Gips
  • Medikamente

Alles wird von der Reiseversicherung übernommen, eventuell mit geringer Selbstbeteiligung oder ganz ohne Kosten. Kein finanzielles Risiko, kein zusätzlicher Stress.

Nach der Rückkehr nach Serbien setzt Marko die Behandlung bei seinem Hausarzt fort.


SZENARIO 2: Marko HAT KEINE Reise-Krankenversicherung

  1. Er ruft 144 oder 112
  2. Hilfe wird geleistet – sie darf nicht verweigert werden
  3. Marko wird ins Krankenhaus gebracht
  4. Medizinisch läuft alles gleich ab:
    • Röntgen
    • Einrichten
    • Gips
    • Therapie

⚠️ ABER:

  • Marko hat keine EHIC (da er aus Serbien kommt)
  • Er hat keine Reiseversicherung
  • Das Krankenhaus fordert die Bezahlung ein

💶 Kosten, die Marko selbst tragen muss:

  • Rettungstransport
  • Röntgen
  • Krankenhausbehandlung
  • medizinisches Material
  • Medikamente

Die Rechnung kann mehrere hundert bis über 1.000 Euro betragen. In manchen Fällen ist sofortige Zahlung erforderlich, in anderen wird eine Rechnung per Post zugeschickt. Eine Rückerstattung in Serbien ist nicht garantiert.

Bei Komplikationen oder notwendigen Nachkontrollen in Österreich entstehen zusätzliche Kosten.

Kurzer Tipp zum Schluss

Wenn Sie als Tourist nach Österreich reisen:

✔ nehmen Sie Ihre EHIC mit, falls vorhanden

✔ schließen Sie unbedingt eine Reise-Krankenversicherung ab

✔ merken Sie sich die Notrufnummern 112 und 144

✔ meiden Sie private Ärzte ohne vorherige Kostenklärung

Die Europäische Union erklärt auf ihrem offiziellen Portal die Rechte von Patienten bei einem vorübergehenden Aufenthalt im Ausland. Weitere Informationen finden Sie hier.

Das österreichische Gesundheitssystem ist hochwertig und effizient – für Touristen ohne Versicherung jedoch nicht kostenlos. Eine gute Vorbereitung vor der Reise kann Ihnen viel Geld und Stress ersparen.


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