Strafen in Österreich: Wann Sie zahlen müssen – und wann Sie Einspruch einlegen können









Viele Menschen aus exYu, die in Österreich leben, haben mindestens einmal eine Strafe bekommen – meist wegen Falschparkens, eines Verkehrsverstoßes oder Fahrens ohne gültigen Fahrschein im öffentlichen Verkehr. Was jedoch nur wenige wissen: In Österreich gibt es verschiedene Arten von Strafen, und davon hängt ab, ob Sie sofort zahlen müssen oder das Recht haben, Einspruch einzulegen.
Das österreichische System der Verwaltungsstrafen ist relativ klar geregelt, kann aber verwirrend wirken, da es unterschiedliche Verfahrensarten gibt. Im Folgenden erklären wir die wichtigsten Unterschiede.
Zu den häufigsten Strafen in Österreich zählen:
Die meisten dieser Verstöße gelten als Verwaltungsübertretungen und werden mit einer Geldstrafe geahndet, die von einer Behörde oder der Polizei verhängt wird.
Im österreichischen System begegnet man am häufigsten drei Arten von Strafen.
1. Organstrafverfügung (Strafe vor Ort)
Dies ist die einfachste und häufigste Strafe. Sie wird von der Polizei oder einem befugten Organ verhängt, wenn der Verstoß direkt festgestellt wird, zum Beispiel:
Diese Art von Strafe dient dazu, kleinere Verstöße schnell zu ahnden, ohne ein langes Verfahren einzuleiten.
Wichtig zu wissen: Gegen diese Strafe ist kein Einspruch möglich. Sie können sie entweder bezahlen oder ignorieren. Wenn sie nicht bezahlt wird, geht das Verfahren in die nächste Phase über und es kann eine neue, höhere Strafe folgen.
2. Anonymverfügung (anonyme Strafe)
Diese Strafe wird in der Regel per Post zugestellt, zum Beispiel:
Sie wird nicht an eine konkret identifizierte Person geschickt, sondern an den Fahrzeughalter, da die Behörden oft nur das Kennzeichen kennen und nicht wissen, wer das Fahrzeug zum Zeitpunkt des Verstoßes gelenkt hat.
Wichtige Fakten: Die maximale Strafe beträgt in der Regel bis zu 365 Euro, und die Zahlungsfrist liegt bei 4 Wochen. Ein Einspruch ist nicht möglich.
Wenn Sie die Strafe fristgerecht bezahlen, ist das Verfahren abgeschlossen und die Behörden ermitteln nicht weiter, wer gefahren ist. Wenn Sie die Strafe nicht bezahlen, leiten die Behörden ein Verfahren ein und fordern Sie auf, anzugeben, wer das Fahrzeug gelenkt hat.
3. Strafverfügung (offizielle Strafe)
Dabei handelt es sich bereits um eine formelle Strafe gegen eine bestimmte Person. Sie wird verhängt, wenn:
In diesem Fall kann die Behörde im vereinfachten Verfahren eine Strafe von bis zu etwa 600 Euro verhängen. Im Unterschied zu den vorherigen Strafen haben Sie hier jedoch das Recht auf Einspruch.
Wenn Sie eine Strafverfügung erhalten, können Sie Einspruch einlegen. Die Frist dafür beträgt in der Regel 14 Tage ab Zustellung.
Im Einspruch können Sie zum Beispiel angeben:
In diesem Fall wird ein ordentliches Verwaltungsverfahren eingeleitet.
Das Ignorieren von Strafen in Österreich ist keine gute Idee. Wenn die Strafe nicht bezahlt wird und keine Reaktion erfolgt, kann ein rechtliches Verfahren eingeleitet werden, die Strafe wird sicher höher und wenn auch dann nicht reagiert wird, kann es zur Zwangsvollstreckung (Exekution) kommen.
Bei schwereren Verkehrsverstößen sind auch zusätzliche Maßnahmen möglich, wie der Entzug des Führerscheins oder ein Fahrverbot.
Viele Fahrer glauben, dass sie Strafen einfach ignorieren können, wenn der Verstoß in einem anderen Land begangen wurde – insbesondere in Ländern, die östlich von Österreich liegen.
Das ist absolut nicht richtig. Innerhalb der Europäischen Union gibt es ein System der gegenseitigen Anerkennung von Strafen. Wenn eine Strafe rechtskräftig wird und einen bestimmten Betrag überschreitet, kann sie auch in einem anderen Mitgliedstaat eingehoben werden.
Es kommt nicht selten vor, dass exYu Leute eine Strafe wegen Geschwindigkeitsüberschreitung in Ungarn erhalten. In solchen Fällen gibt es kein Ignorieren – sie sollte möglichst schnell bezahlt werden.
Eine der häufigsten Strafen in Wien ist das Fahren ohne gültigen Fahrschein im öffentlichen Verkehr. Die Kontrollen werden von den Inspektoren des Verkehrsunternehmens Wiener Linien durchgeführt, die jederzeit in Straßenbahn, Bus oder U-Bahn einsteigen können.
Wenn ein Fahrgast keinen Fahrschein hat oder dieser ungültig ist, wird eine Strafe verhängt.
Derzeit beträgt die Strafe 135 Euro (Stand: März 2026). Wenn die Strafe nicht fristgerecht bezahlt wird, kann ein Inkassoverfahren eingeleitet werden und die Kosten können weiter steigen.
Wichtig ist: Diese Strafe wird nicht von der Polizei verhängt, sondern vom Verkehrsunternehmen. Wenn sie jedoch nicht bezahlt wird, kann die Forderung über ein gerichtliches Verfahren eingetrieben werden.
Kann man diese Strafe anfechten? In den meisten Fällen muss sie bezahlt werden. Es ist jedoch möglich, bei den Wiener Linien Einspruch einzulegen, wenn besondere Umstände vorliegen.
Zum Beispiel, wenn Sie eine gültige Jahreskarte hatten, diese aber bei der Kontrolle nicht dabei hatten. In diesem Fall sollten Sie die Wiener Linien kontaktieren und eine Erklärung oder einen Nachweis vorlegen.
In den meisten Fällen werden kleinere Strafen einfach bezahlt. Rechtlicher Rat kann jedoch sinnvoll sein, wenn die Strafe hoch ist, die Gefahr eines Führerscheinentzugs besteht oder Sie der Meinung sind, dass die Strafe ungerechtfertigt ist.
In solchen Fällen können Sie sich an folgende Stellen wenden:
Die kurze Antwort lautet: manchmal ja – aber nur, wenn die Strafe erfolgreich angefochten wird.
Im österreichischen Verwaltungsstrafrecht gibt es mehrere Situationen, in denen eine Strafe aufgehoben werden kann oder ein Verfahren ohne Zahlung endet. Das geschieht jedoch nur, wenn konkrete Gründe oder Fehler im Verfahren vorliegen.
1. Wenn ein Fehler in der Strafe vorliegt
Jede Strafe muss korrekte Angaben enthalten: Ort und Zeit des Verstoßes, Beschreibung des Verstoßes, Rechtsgrundlage, zuständige Behörde.
Wenn eine dieser Angaben falsch oder unvollständig ist, kann die Strafe angefochten werden. Im Verwaltungsverfahren muss die Behörde dann nachweisen, dass der Verstoß tatsächlich begangen wurde.
In bestimmten Fällen kann das Verfahren eingestellt werden (Einstellung des Verfahrens), wenn nicht genügend Beweise vorliegen.
2. Wenn Sie den Verstoß nicht begangen haben
Das kommt am häufigsten bei Verkehrsverstößen vor. Zum Beispiel: das Fahrzeug wurde von einer Kamera erfasst, aber Sie waren nicht der Lenker, das Fahrzeug war verliehen oder vermietet, das Kennzeichen wurde falsch erfasst.
In solchen Fällen können Sie angeben, wer der Lenker war, oder die Verantwortung bestreiten.
3. Wenn es nicht genügend Beweise gibt
Im ordentlichen Verwaltungsverfahren muss die Behörde den Verstoß beweisen. Wenn zum Beispiel das Radarfoto nicht eindeutig ist, die Identität des Lenkers nicht festgestellt werden kann oder widersprüchliche Beweise vorliegen, besteht die Möglichkeit, dass das Verfahren ohne Strafe endet.
4. Wenn Sie erfolgreich Einspruch einlegen (Einspruch)
Bei einer Strafverfügung haben Sie das Recht, innerhalb von 14 Tagen Einspruch einzulegen. Wenn der Einspruch begründet ist, kann die Behörde die Strafe reduzieren, nur eine Verwarnung aussprechen oder das Verfahren vollständig einstellen.
Zum Beispiel: Sie sind bei Gelb über die Ampel gefahren und können nachweisen, dass die Fahrbahn rutschig war oder dass sich ein Fahrzeug hinter Ihnen mit hoher Geschwindigkeit näherte und es sicherer war, weiterzufahren als zu bremsen. Wenn Sie den Verwaltungsrichter überzeugen, kann Ihnen die Strafe erlassen werden.
5. Wenn ein Verfahrensfehler vorliegt
Strafen müssen korrekt und gesetzeskonform zugestellt werden. Wenn zum Beispiel: die Strafe nicht ordnungsgemäß zugestellt wurde, die Fristen nicht eingehalten wurden, die zuständige Behörde das Verfahren nicht korrekt durchgeführt hat, besteht die Möglichkeit, dass das Verfahren aufgehoben wird.
Das österreichische Strafsystem ist relativ effizient und klar strukturiert, doch die Unterschiede zwischen den einzelnen Arten von Strafen können viele Fahrer verwirren.
Am wichtigsten ist zu wissen: Manche Strafen können nicht angefochten werden, gegen andere kann innerhalb von 14 Tagen Einspruch eingelegt werden, und das Ignorieren von Strafen führt in der Regel zu größeren Problemen.
Deshalb ist es am besten, aufmerksam zu sein – denn es ist unnötig, durch Unachtsamkeit Geld zu verlieren. Und wenn eine Strafe bereits gekommen ist, sollte man sie genau lesen und rechtzeitig reagieren.
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